Warum Köln nicht gut für die gamescom ist
Am 21. und 22. August habe ich die gamescom in Köln besucht. Diese typische Ost-Nostalgie, wonach Köln ein gesamtes Konzept gestohlen hat, möchte ich in diesem Beitrag gar nicht erst aufrollen. Zugegebenermaßen steht mir das auch nicht zu, da ich die GamesConvention in Leipzig nie besucht habe, schon weil diese “Stadt” von meinem schönen Heimatort viel zu weit entfernt liegt. Für ein paar Spielminuten wollte ich also nicht die weite Reise nach Sachsen antreten. Nordrhein-Westfallen – genauer gesagt Köln – lag da für mich als Schwabe schon sehr viel näher. Also nichts wie hin, dachte ich zumindest. Meine Begeistertung über die gamescom an sich, aber auch über den Veranstaltungsort – die Koelnmesse – hält sich in Grenzen.
Fangen wir mit dem Freitag an. Nachdem ich mein Auto auf einem der Besucherparkplätze abgestellt hatte, da die Presseparkplätze ziemlich miserabel ausgeschildert waren, habe ich mich mit dem Shuttle-Bus in Richtung Eingang Nord begeben. Hier erwartete mich am Freitag noch kein besonders großer Ansturm. Es war eine große Welle, die sich allerdings relativ schnell in den Hallen aufgeteilt hat. An einigen Stellen herrschten zwar dennoch riesige Schlangen an den USK 18-Bereichen, das jedoch nur bei absolut ernsten Titeln wie Call of Duty: Modern Warfare 2.
Kommen wir aber zurück zur Ankunft. Beinahe verloren geglaubt begab ich mich als erstmaliger Besucher der Messe zum Infopoint, um mein Lanyard für den Presseausweis zu erhalten. Komisch, dass diese Menschen dort mit Farbbändchen in allen Variationen ausgestattet sind, jedoch kein Lanyard für die Presseausweise bereithalten. Komische Sache das und das, obwohl doch eine ganze Menge Pressevertreter angekündigt waren. Als nächstes kommen wir zum Checkin im Pressebereich. Die Securitys, die diesen Bereich “bewacht” haben, waren nicht nur unfreundlich, nein, sie haben einen gleich mal von oben bis unten betrachtet, frei nach dem Motto, man könnte ein Terrorist sein, der vor hat eine Bombe hochgehen zu lassen. Auch das Personal im Business-Bereich schien in Sachen Freundlichkeit nicht gerade kompetenter.
Im Gegensatz zum Samstag war der Freitag allerdings sonst weniger spektakulär. Klar bin ich durch jede Halle mal gelaufen. Aber von einem coolen Rahmenprogramm außerhalb der Messehallen auf dem Freigelände fehlte zumindest am Freitag noch jede Spur. Diese komische Chillout-Ecke mit kleiner Strandbar war beinahe menschenleer und auch sonst war erstmal keine Spur von Unterhaltung zu sehen.
Am Samstag war dagegen der große Ansturm. Zusammen mit Dennis fuhr ich schon relativ früh in Essen los, damit wir noch rechtzeitig vor Eröffnung in Köln sind. In Wirklichkeit kamen wir zwar etwas später an, was der ganzen Sache aber keinen Abbruch tat. Problem: Die Koelnmesse ist für einen Massenansturm an Menschen überhaupt nicht ausgelegt. Besucher wurden am Samstag nur wellenweise in die Hallen reingelassen. Vor den Eingängen und den Kassen bildeten sich große Schlangen und noch ehe man den sogenannten Boulevard erreicht hat, sah man sich mit dem nächsten Stau konfrontiert, in dem man erstmal eine halbe Stunde feststeckte. Verursacht dadurch, dass abgesehen von einem Hauptzugang alle Nebenzugänge zu den Messehallen abgesperrt wurden und nicht zuletzt auch deshalb, dass jeder verdammte Abschnitt mit Türen versehen war, die die Menschen künstlich zurückhielten. Doch die eigentliche Gefahr, die am Samstag herrschte, ist in der Masse der Menschen zu suchen:
Wäre ein Feueralarm ausgebrochen oder eine Bombe hochgegangen, dann hätten sich die Messebesucher gegenseitig im Getümmel totgetrampelt, mal ganz abgesehen davon, dass ohnehin alle Zu- und Ausgänge total verstopft waren. Wie also hätte eine solche Masse, wie sie sich am Samstag eingefunden hat, aus den Hallen flüchten können? Anstatt die Messe als zahlenmäßigen Erfolg zu feiern, sollte sich die Koelnmesse in meinen Augen eher Gedanken darüber machen, wie selbst im Katastrophenfall – wie er eben halt eintreten kann – eine solche Masse an Menschen möglichst ohne größere körperliche Schäden die Hallen verlassen kann. Denn die Gefahr, totgetrampelt zu werden, war über den ganzen Samstag vorhanden.
Ob eine Messe für den Zugang durch viele Menschen geeignet ist, ist für mich ein wesentlicher Punkt dafür, der entweder für die Austragung einer Veranstaltung wie die gamescom spricht, oder eben gegen ein solches Event. Aber das unfreundliche Messepersonal hatten wir dann ja auch noch, insbesondere – wie bereits gesagt – im Business-Bereich, wo man doch ganz besonders auf Freundlichkeit achten sollte.
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2009, gamescom, koelnmesse, Köln, videospielmesse


28. August 2009 










Dass du Leipzig hier das Stadtrecht aberkennst, obwohl es kaum kleiner als deine geliebte Weltmetropole Stuttgart ist, zeugt nicht gerade von Objektivität. Auch die beiden Messegelände sind übrigens fast gleich groß, wie ein Blick auf die Quadratmeter der Ausstellungsflächen beweist. Dass das Leipziger hier in Sachen Architektur und Design meilenweit vorne liegt, muss man nicht erst erwähnen.
Aber nun zu Köln: Ich war genau so enttäuscht wie du. Die Organisation der Messe glich einer Katastrophe, das Personal (und sämtliches Umfeld) war wesentlich unfreundlicher und weniger bemüht als in Leipzig und ein Vorteil des eigentlich deutlich größeren Messegeländes war nicht auszumachen. Im Gegenteil, es waren sogar weniger Aussteller als letztes Jahr zu verzeichnen und einige etablierte Stände, allen voran Nintendo, backten diesmal doch relativ kleine Brötchen. Wirtschaftskrise, anyone?
Was den Massenansturm angeht: Ob das Gelände dafür nicht ausgelegt ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Im Grunde nehmen sich Leipzig und Köln hier nicht viel, wenn auch das große Glasfoyer in Leipzig immer ganz gut zur Entzerrung der Massen und als eine Art Ruhepol in der ganzen Hektik diente. Dafür waren die einzelnen Hallen nur über schmale Brücken erreichbar, während man in Köln direkt vom Boulevard in die Hallen gelangt. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile.
Was für mich persönlich viel schlimmer wiegte, war das quasi nicht-vorhandene Flair in Köln. Während in Leipzig spürbar eine ganze Region voll und ganz hinter der Messe stand und sich um eine möglichst ansprechende Gastfreundschaft bemühte, war die gamescom in Köln halt ein Event von vielen, welches in diesem hässlichen Beton-Moloch völlig unterging. Womit wir beim letzten Punkt wären: Leipzig ist eine schöne, gemütliche und herzliche Stadt – Köln ein hässliches, langweiliges Beton-Moloch mit einem zugegeben imposanten Dom in der Mitte. Nicht mal das Nachtleben taugt im doch angeblich so rheinisch-fröhlichen “Kölle”.
Wie wäre es denn mit einem jährlich wechselnden Ausstellungsort? Nächstes Jahr Hamburg, danach Frankfurt, gerne auch mal im tollen Stuttgart.
So lernen die Gamer gleichzeitig noch ganz Deutschland kennen, ist doch super!
In diesem Beitrag war in keiner Zeile die Rede davon, dass die Landesmesse in Stuttgart das Allheilmittel in der Frage ist, ob eine Messe dieser Art und Größe dort besser ausgetragen werden kann. Um die Messe Stuttgart jedoch in diesem Zusammenhang in die Diskussion zu bringen, so muss ich aus eigener Erfahrung sagen – und ich war schon auf vielen Messen, eben nicht nur in Köln und in Stuttgart -, dass schon aufgrund der Weitläufigkeit und der breiten Gänge der Zugang zu den Hallen wesentlich besser ist. Dabei spielt es für mich erstmal keine Rolle, *ob* in Stuttgart tatsächlich größere Ausstellungsflächen zur Verfügung stehen als in Leipzig oder nicht. Dabei geht es mir erstmal nur im die Sicherheitsfrage im Falle einer Evakuierung des Geländes und da in Stuttgart vom Eingang bis zu den Messehallen so gut wie gar keine Hindernisse gegeben sind, bspw. durch überflüssige Türen, und man die Messehallen durch integrierte Notausgänge gleich auf das Freigelände verlassen kann ohne sich in einem Prunkbau zu verlaufen, ist das für mich schon mal ein erheblicher Pluspunkt, der für eine Publikumsmesse an diesem Standort spricht.
Wenn man einige Kommentare von ausstellenden Firmen liest, so kommt bei mir ohnehin der Verdacht auf, dass aus der gamescom – ähnlich der E3 – in absehbarer Zeit eine reine Fachbesucherveranstaltung wird. In diesem Szenario stellt sich ohnehin nicht die Frage, welche Metropole jetzt das größere Messegelände hat, da reicht auch ein kleines Provinzgelände mit einigermaßen guter Infrastruktur. Publikumsmessen wie die gamescom sind nämlich für Aussteller nur ein Kostenfaktor, der allerdings null Geschäfte bringt. Die eigentlichen Geschäfte, weshalb auch die ganzen Aussteller angereist kamen, wurden an den Fachbesucher- und Pressetagen getätigt und nicht bei den Besuchertagen
Die Messe kann man zur Zeit höchstens noch deshalb für das allgemeine Fußvolk öffnen, weil die Wirtschaftskrise sich im Bereich der Videospiele bislang weniger negativ ausgewirkt hat als in anderen Wirtschaftszweigen.
Der Gedanke ist gar nicht verkehrt, in den USA hat man ja auch versucht, die E3 in Publikums- und Business-Messe aufzuteilen.
Die gamescom als Geschäftsmesse in Köln und die GC weiterhin als Publikumsmagnet in Leipzig oder wechselnden Städten? Wieso nicht.
Dass trotz riesigen Ballungsraumes nur 45.000 mehr Besucher nach Köln kamen, zeigt ja, dass der Standort für den normalen Publikumsverkehr eine eher untergeordnete Rolle zu spielen scheint.
Also ich wüsste nicht, welchen Sinn das ergibt, die Aussteller an zwei unterschiedlichen Standorten ausstellen zu lassen. Gegen wechselnde Standorte spricht an und für sich eigentlich auch nichts, aber auf der anderen Seite ist es auch doof, sich dann jedes Jahr wieder auf ein neues Gelände einzustellen