Wahlkampfthema S-Bahn-Mord und was die Killerspiele damit zu tun haben
Die CSU in Bayern spielt wahrlich ein doppeltes Spiel. Auf der einen Seite steht der Parteivorsitzende Horst Seehofer, der aus diesem brisanten Thema kein Wahlkampfthema machen will, auf der anderen seine für den Deutschen Bundestag aufgestellten Kandidaten, die mit diesem neuerlichen Ereignis – und vermutlich auch sehr bald mit dem Amoklauf in Ansbach – Wahlkampf betreiben. Und auch, wenn Horst Seehofer selbst den S-Bahn-Mord nicht zu einem Aufhänger machen will, so streckt er den Arm schon wieder Richtung Killerspiel-Keule. Wenn ‘s schon keine Nazis waren, dann sind es jetzt eben wieder die Killerspiele. Die taz schreibt dazu:
Eine Erklärung für die Brutalität der Täter hat auch am Montag niemand. Außer Horst Seehofer. Man müsse auch manches überprüfen, was auf dem Markt erhältlich sei, meint er nach der Sitzung. Der CSU-Chef meint damit allen Ernstes Killerspiele.
Das ist schon ein sehr merkwürdiges Spiel, das in Bayern wieder gespielt wird. Ganz offensichtlich scheint es jetzt im Zusammenhang mit dem Amoklauf in Ansbach wieder nur eine Frage der Zeit zu sein, bis scheinheilige Videospiel-Experten wie Dr. Christian Pfeiffer von den Toten auferstehen und sich gemeinsam mit der CDU und der CSU für ein Verbot von gewalthaltigen Videospielen einsetzen. Doch die Frage muss eine ganz andere sein: Welche Ursachen haben diese immer offensichtlicher werdenden Gewaltausbrüche? Sind sie sozialer Herkunft? Denn Videospiele an sich sind keine Ursache. Die Gründe stecken viel tiefer: Sinkende Perspektiven auf eine faire und stabile Zukunft, der steigende Überwachungswahn der regierenden Parteien in Bund und Ländern, nicht zuletzt aber auch eine völlig fehlgeschlagene Integrationspolitik, die viele Bürgerinnen und Bürger mit Migrantenhintergrund in Subgesellschaften mit teils extremen Ansichten abschiebt.
Die wahren Ursachen zu ermitteln ist jedoch für unsere Politik-Elite zu schwierig. Viel einfacher ist es, die Bevölkerung und natürlich auch die Medien mit bereits bekannten Schlagworten zu konfrontieren. Gemäß dem Motto: “Die Sau wird ‘s schon fressen”. München hat zwar eine schöne Innenstadt und viele Sehenswürdigkeiten, aber liebe Leute: Glaubt ihr im ernst, dass es dort keine sozialen Pulverfässer gibt?
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Bayern, Bund, CDU, CSU, Deutschland, Games, Gaming, Horst Seehofer, Integration, Integrationspolitik, killerspiele, Land, Migration, Perspektiven, Subgesellschaften, Überwachungswahn, videospiele, Wirtschaftskrise, Zukunft


18. September 2009 










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