Die Hetzjagd geht weiter

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Nicht nur seit dem vergangenen Amoklauf in Winnenden, schon seit Erfurt entfachen immer wieder hitzige Diskussionen um die Wirkung von Videospielen oder, wie sie unsere Politiker betiteln, “Killerspielen” auf die Sinne von Jugendlichen. Aus Niedersachsen und Bayern waren hier immer wieder die Forderungen laut geworden, man müsse diese Spiele mit einem Herstellungs- und Verkaufsverbot verhängen. Einem Bericht des ORF nach zu urteilen scheint es jetzt so weit zu sein.

“Durch Killerspiele sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt”, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gegenüber der Online-Ausgabe der “Welt”. Dabei ist es doch aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Studien [1] [2] höchst zweifelhaft, wie sich Computer- und Videospiele tatsächlich auf einen Menschen auswirken. Eine Auslöser-Funktion scheinen einschlägige Videospiele nach Ansicht einiger Studien zumindest nicht gehabt zu haben.

Interessant an den neusten Beschlüssen der Landesinnenminister ist aber, dass sie damit massiven Populismus betreiben. Der dummen Bevölkerung wird der Anschein erweckt, dass sich da oben wirklich etwas tun würde. Im Prinzip ist das aber nicht der Fall: Immer noch stehen zu wenig Mittel für eine ausreichend psychologische Versorgung an deutschen Schulen bereit und die Politik hat sich immer noch nicht mit der Frage beschäftigt, was die tatsächlichen Auslöser sind: Ausgrenzung, Mobbing, Leistungsdruck, das soziale Umfeld und das Elternhaus.

Wie naiv ist Deutschland eigentlich? Spätestens beim nächsten Amoklauf wird die Politik in Zugzwang kommen. Denn ein Herstellungs- und Verkaufsverbot von Videospielen mit übermäßigem Gewaltinhalt wird weder die angestrebten Ziele erfüllen noch wird es Amokläufe verhindern. Schade eigentlich, dass unsere Unionspolitiker und auch große Teile der SPD immer noch nicht verstanden haben, dass Deutschland keine Nussschale auf einem großen Ozean ist, sondern Teil der Europäischen Union. Demnach wird es für mich auch in Zukunft kein Problem sein, weiterhin die Spiele zu konsumieren, die mir Spaß machen.

Psychologische Versorgung

Bei der Frage nach einer ausreichenden psychologischen Versorgung stellt sich mir allerdings unweigerlich eine weitere Frage: Wieso benötigen deutsche Kinder und Jugendliche in Sachen Medienkompetenz offenbar mehr Fürsorge als es bei Kindern und Jugendlichen in Österreich der Fall ist? Schließlich gibt es dort keinen bundesweit so eng gestrickten Jugendschutz wie in unseren Gefilden. Dort ist Jugendschutz Ländersache und die österreichischen Länder haben sich für einen auf europäischer Ebene etablierten Bewertungsstandard festgelegt: Die PEGI. Einzig Deutschland versucht, neben einigen Anstrengungen aus Großbritannien, seine Indizierungsmaschinerie am Laufen zu halten. Aber hätten Videospiele in der Wirkungsforschung tatsächlich solche Auswirkungen, wie sie unsere Politiker offenbar zu kennen wissen, müsste Österreich schon längst in Schutt und Asche versunken sein.


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1 Kommentar zu “Die Hetzjagd geht weiter”

  1. lars-haise.net :: | Kommen bald auch Internetsperren für Gewaltspiele? schreibt:

    [...] wie Videospiele immer enger zu schnallen. Nachdem kürzlich auf einer Innenministerkonferenz ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Spiele mit besonders hohem Gewaltanteil beschlosse…, geht es den Online-Spielen des selben Genres vermutlich auch bald an den Kragen. Zumindest hat [...]

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