MMORPGs bald nur noch für Erwachsene?

MMORPGs bald nur noch für Erwachsene?

Geht es nach der Bundesdrogenbeauftragen Sabine Bätzing (SPD), soll Computerspielsucht in Zukunft noch stärker untersucht und vor allem populäre Online-Spiele, wie beispielsweise World of Warcraft, ausschließlich für Erwachsene freigegeben werden. Ob es unter Computernutzern, insbesondere Spielern, eine spezifische Suchterkrankung tatsächlich gibt, ist immer noch strittig.

Berlin – Man müsse “Eltern und Lehrer unterstützen, eine Mediensucht im Frühstadium zu erkennen und wirksam zu verhindern”, erklärte Bätzing (SPD) am Freitag anlässlich einer Fachtagung zum Thema. Zudem forderte sie schärfere Altersbeschränkungen. Es sei unverständlich, warum Spiele wie “World of Warcraft” für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben seien, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

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Dass Spiele wie World of Warcraft tatsächlich süchtig machen können, zeigen einige Beispiele [1] [2] – nicht nur aus Asien – recht deutlich. Selbst in Suchtforen wird zwischenzeitlich auch über dieses Problem diskutiert; teilweise gehen auch Betroffene selbst den weg, sich zu outen. Auch ich hatte schon mit einem Sonderfall zutun, als ich noch die Berufsschule in Schorndorf besucht habe. Dort machte ich Bekanntschaft mit einem Klassenkammeraden, der ganz offensichtlich süchtig nach diesem Online-Rollenspiel war. In den ganzen zwei Jahren, die wir “eigentlich” gemeinsam in eine Klasse gegangen wären, war er vielleicht zwei Monate am Stück da; die restliche Zeit verbrachte er damit, der Online-Welt zu verfallen. Er dürfte zu dieser Zeit 16 Jahre alt gewesen sein und World of Warcraft bereits seit 2004 gespielt haben. Zur mündlichen Prüfung erschien er wegen eines Raids nicht.

Kommen wir aber zurück zu den Forderungen unserer Bundesdrogenbeauftragten. Selbst ich als Neuling der WoW-Szene würde sagen, dass sie mit ihren Forderungen zunächst richtig liegt. Ich betrachte es allerdings auch noch aus anderen Gesichtspunkten: Ginge es jetzt speziell um World of Warcraft, würde ich sagen, dass das Spiel schon aufgrund seines teils düsteren Auftretens kein USK 12-Siegel verdient hat. Aber auf den Inhalt bezieht sie sich gar nicht, sondern auf Fallzahlen, die ihr das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (vielleicht sogar Christian Pfeiffer persönlich?) geliefert hat.  Im Rahmen einer Schülerumfrage hat das Institut 15.000 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassenstufe als “süchtig” oder “nicht süchtig” eingestuft.

Die Ergebnisse der Studie sind jedoch nichts Neues mehr. Die Zahlen sind schon seit März 2009 bekannt. Demnach spielt jeder zehnte deutsche Jugendliche exzessiv am Computer, also 15,8 Prozent der Jungen und 4,3 Prozent der Mädchen. Exzessiv bedeutet in den Augen der Forschern bereits eine Spielzeit von viereinhalb Stunden täglich. Ganze drei Prozent der befragten Jungen und 0,3 Prozent der Mädchen seien demnach computerspielabhängig; 4,7 Prozent der Jungen und 0,5 Prozent der Mädchen werden vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen als gefährdet eingestuft.

Klingt im ersten Moment erstmal nicht dramatisch, ist es in meinen Augen nicht. Läge tatsächlich eine Gefährdung der Jugendlichen im Rahmen ihrer Entwicklung vor – was einer wesentlich größeren Wahrscheinlichkeit, einer Sucht zu verfallen, unterliegen müsste – wäre das Prädikat 16 oder gar 18 plus wirklich gerechtfertigt. Allerdings handelt es sich dabei um einen geringen Teil von Befragten, die tatsächlich in das Muster fallen. Wobei das Verständnis, ab welcher Spielzeit man als süchtig gilt, ganz schön subjektiv betrachtet wird. Demnach müsste ich zu meinen Bestzeiten als Spieler auch in dieses Raster gefallen sein – süchtig bin ich aber keineswegs. In meinen Augen nimmt die Spielzeit automatisch dramatisch ab, sobald man in einen geregelten Tagesablauf kommt, beispielsweise durch Ausbildung und Beruf.

Daher: Höchst fragwürdig, wenn man die Zahlen als Grundlage nimmt und nicht den Inhalt! Aus inhaltlichen Gründen wäre für mich aber 16 plus eher gerechtigt als die bisherige Einstufung der USK.

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