Wie bereits schon zu Beginn der Debatte um die Sperrung von kinderpornografischen Internetseiten vermutet wurde, scheint sich der Gürtel um weitere Themenfelder wie Videospiele immer enger zu schnallen. Nachdem kürzlich auf einer Innenministerkonferenz ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Spiele mit besonders hohem Gewaltanteil beschlossen wurde, geht es den Online-Spielen des selben Genres vermutlich auch bald an den Kragen. Zumindest hat Thomas Strobl, Bundestagsabgeordneter der CDU und Rechtsanwalt aus Heilbronn, erstmals konkretisiert, dass der Gesetzentwurf dahingehend angepasst werden könnte.
Heise berichtet:
Auf die Frage, wie es zu einem Amoklauf wie dem von Winnenden (das in der Nähe von Heilbronn liegt) kommen könne, gebe es nicht eine einzelne Antwort. Es müsse unter anderem überlegt werden, ob der Konsum von Gewaltvideos und gewalthaltigen Spielen einem “verantwortlichen und selbstverantwortlichen Handeln” entspreche. Die “virtuelle Brutalisierung” markiere bei vielen jugendlichen Gewalttätern und Amokläufern den Beginn der realen Brutalisierung, meint Strobl.
Auch Dieter Wiefelspütz, Bundestagsabgeordneter der SPD, kam erst kürzlich aufgrund eines Berichts der Berliner Zeitung in die Negativ-Schlagzeilen der Internet-Gemeinde.
Heise schreibt über diesen Zeitungsbericht:
“Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden”, äußerte sich Wiefelspütz in Bezug auf Webseiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten und fügte hinzu: “Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.”
Tatsächlich sollen seine Angaben von der Berliner Zeitung falsch wiedergegeben worden sein, wie Wiefelspütz über Abgeordnetenwatch verlauten ließ.
Dennoch sind die aufflammenden Diskussionen mehr als besorgniserregend. Gleichzeitig waren sie auch vorhersehbar. Es zeigt, dass unsere Politiker mit keinem der Amokläufe in den vergangenen zehn Jahren überhaupt dazugelernt haben, was die Ursachenforschung angeht. Letztlich möchte man nur eine Altlast loswerden, die in den Massenmedien im Zusammenhang mit Amokläufen immer wieder thematisiert wird: Gewalthaltige Videospiele (oder auch “Killerspiele” genannt). Dass man Spiele wie Counter-Strike, Call of Duty und Crysis vermutlich in nahezu jedem Jugendzimmer heute vorfindet und 99,999999999 Prozent aller Spieler keine Vorstellungen darüber üben, einen Amoklauf zu planen, entzieht sich natürlich der Kenntnis unserer werten Volksvertretung. Es sind also auch die Massenmedien maßgeblich daran beteiligt, wie sich politische Diskussionen entwickeln, natürlich auch zum Nachteil von Unschuldigen. Daraus resultiert Schubladendenken und wenn diese alten Narren an der Spitze nicht gestoppt werden, können sich Spieler von Ego-Shooter bald dick und fett “Amokläufer” auf die Stirn schreiben.
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11.06.2009 um 20:12
[...] lars-haise.net: Kommen bald auch Internetsperren für Gewaltspiele? [...]